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„Der hat ja viel zu schnell gefüllt!“

Wenn es bei der Befüllung von Heizöl-Batterietankanlagen mit mehreren Tanks zu Ölunfällen kommt, ist Ärger vorprogrammiert.

Meist stehe der Tankwagenfahrer zu Unrecht am Pranger, meint Gutachter Alexander Schlatterer.

Man stelle sich vor: Beim Füllen kommt es zum Ölschaden. Was nun? Nach der Benachrichtigung von Feuerwehr bzw. Behörde ist eine umgehende Beseitigung unter Hinzuziehung eines Fachbetriebs noch einigermaßen problemlos. Wurde auch ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für „Heizölverbrauchertankanlagen“ hinzugezogen, ist die Schadensursache meist schnell gefunden und der Verursacher zweifelsfrei festgestellt. Geschah dies nicht, folgt der richtige Ärger bei der Bezahlung der auflaufenden Rechnungen für die Schadensanierung. Anlagenbetreiber und Tankwagenfahrer oder deren Versicherungen schieben sich gegenseitig die Schuld am Unfall zu. Absoluter Klassiker der Betreiberseite ist: „Der hat ja viel zu schnell gefüllt!“

Nun, die Ursache für den Befüllschaden kann alles Mögliche sein, aber dies ist definitiv nicht möglich! Als Nachweis sollen die technischen Hintergründe aufgezeigt werden.

Seit Heizölverbrauchertankanlagen reglementiert werden – also von Beginn an ist in den einschlägigen Vorschriften u. a. festgelegt, dass sichergestellt sein muss, dass der Prüfdruck bei der Befüllung von Tanks nicht überschritten wird. Außerdem müssen Rohrleitungen so beschaffen sein, dass sie bei den zu erwartenden Beanspruchungen dicht bleiben. Bei Tanks bis 100 m³, die mit maximal 1.200 Liter pro Minute (l/min) befüllt werden, kann kein gefährlicher Unter- oder Überdruck entstehen, wenn die lichte Weite der Be- und Entlüftungsleitungen den festgelegten Werten entspricht.

Rohrleitungen einschließlich ihrer Formstücke und Armaturen müssen mindestens für den Nenndruck von 10 bar ausgelegt sein. Diese Anforderungen wurden stetig fortgeschrieben und sind heute noch in den Technischen Regeln für brennbare Flüssigkeiten (TRbF) dokumentiert und gültig.

Bei „normalen“ Batterietankanlagen werden die einzelnen Tanks über fertige Rohrleitungssysteme zum Befüllen, zur Entlüftung und zur Entnahme miteinander verbunden, die vom Hersteller mitgeliefert werden und bis vor kurzem auch Bestandteil der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung waren. An dieses anlagenseitige Füllsystem werden dann Füllleitung und Entlüftungsleitung angeschlossen und nach außen geführt. Bei 90 Prozent aller Anlagen werden dafür Steckmuffenrohre verwendet, die eine genial einfache Montage ohne Schweißen, Schrauben und Pressen auch bei kompliziertem Leitungsverlauf zulassen. Solch ein Rohr wurde von der Firma LoroWerke 1968 auf den Markt gebracht und fand fortan Verwendung in Heizölverbraucheranlagen. Doch etwa zwei Jahre später nahmen die Füllschäden an derlei Anlagen überhand, da die Steckmuffenverbindungen bei normalem Fülldruck leicht auseinanderrutschen konnten. Um dies zu verhindern, erfand der Hersteller eine „Sicherheitsrohrschelle“ und schrieb deren Einsatz vor. Um 1970 wurde dies auch durch den damalige DAbF (Deutscher Ausschuss für brennbare Flüssigkeiten) per Beschluss bestätigt. Leider gibt es auch heute noch Betreiber und Heizungsbauer, an denen diese Umrüstungspflicht völlig vorübergegangen ist. Ein erklecklicher Anteil von Altanlagen, die entsprechend der noch geltenden Ländervorschriften nie von einem Sachverständigen geprüft wurden, haben heute noch Füllleitungen aus LOROX-Rohr ohne Sicherheitsschellen und stellen somit in Bezug auf die Befüllung der Anlagen wahre Zeitbomben dar. Bereits bei Fülldrücken knapp über 0,5 bar können ungesicherte Steckmuffenverbindungen auseinanderrutschen, sodass Heizöl unkontrolliert austritt.

  


 

Einige Grundlagen in Kurzform:

Jeder Betreiber ist verpflichtet, die Dichtheit seiner Anlage und die Funktionsfähigkeit der Sicherheitseinrichtungen ständig zu überwachen. Da er im Allgemeinen dazu nicht selbst in der Lage ist, hat er mit der Instandhaltung, Instandsetzung und Reinigung seiner Anlage einen nach Wasserrecht zugelassenen Fachbetrieb zu beauftragen.

Aber auch ein nicht sachkundiger Betreiber kann einiges tun, um die Sicherheit seiner Tankanlage zu überprüfen und somit eine sichere Befüllung zu gewährleisten. Er sollte regelmäßig seine Batterietanks auf Durchsichtigkeit prüfen und auf gleiche Füllstände in allen Tanks achten. Die Tanks sollten gerade stehen, keine Elefantenfüße haben, die Abstände untereinander sollten gleich sein, und die oberen Anschlussstutzen dürfen keine Verformungen aufweisen.

Alte Entnahmesysteme, bei denen die Verbindungsleitung über den Tanks aus durchhängenden Gummischläuchen besteht, sollten gegen neue Systeme mit starren Verbindungsleitungen (Alu-Rohre) ausgetauscht werden. Die in die Tanks hängenden Ansaugleitungen sollten regelmäßig nachgemessen und bei Bedarf auf die korrekte Länge gekürzt werden. Grenzwertgeber alter Bauart mit Löchern in der Schutzhülse sollten dringend gegen solche neuer Bauart mit Schlitz in der Schutzhülse getauscht werden. Zudem sollten die Regenschutzhauben am Ende der Entlüftungsleitungen daraufhin überprüft werden, ob noch die längst verbotenen Siebe eingebaut sind. Solche Mängel an der Anlage werden durch zugelassene Fachbetriebe schnell und kostengünstig behoben. Einer sicheren Befüllung der Tankanlage steht dann nichts mehr im Wege.

 


 

Eine weitere häufige Ursache für Schäden bei der Tankbefüllung ist die fehlende Möglichkeit, den Füllstand vorab eindeutig zu erkennen. Gemäß Regeln muss jeder Tank – außer wenn er aus Kunststoff und durchsichtig (transluzent) ist – mit einer Füllstandsmesseinrichtung ausgerüstet sein. Da Kunststoffe bekanntlich altern und sich Heizöl-Rückstände an den Tankwänden absetzen, werden auch bei zunächst transluzenten Tankwandungen die Füllstände immer weniger erkennbar. Wenn dann der Betreiber nicht mit vom DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) zugelassenen Tankinhaltsanzeigern nachrüstet, hat der Heizöllieferant bei der vorgeschriebenen Mengenfreiraumkontrolle vor der Befüllung schlechte Karten. Dann verlässt er sich entweder auf die Aussage des Betreibers und übernimmt damit im Falle der Überfüllung die Verantwortung – oder er muss unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Ein Problem an noch anderer Stelle: Das Ansaugen des Heizöls durch die Ölpumpe des Brenners erfolgt über Ansaugleitungen (Entnahmeleitungen) in jedem einzelnen Tank. Diese Gummi- oder Kunststoffschläuche hängen in den einzelnen Tanks und sollen 50 bis 100 mm über der Tanksohle enden, damit der Ölschlamm (Schweb- und Trübstoffe sowie Kondenswasser setzen sich immer am Boden ab) nicht mit angesaugt wird. Die Einwirkung des Heizöls dehnt jedoch die Schläuche aus in den Öl schlamm hinein. Im günstigsten Fall verstopfen die Schmutzteile den Ölfilter vor dem Brenner, und der gerufene Monteur bezeugt seine Fachkunde, indem er neben dem Filterwechsel auch die Ansaugschläuche wieder auf ein verträgliches Maß oberhalb des Ölsumpfes kürzt. Im ungünstigsten Fall sind Ansaugleitungen so verstopft, dass betroffene Tanks von der Gesamtanlage hydraulisch abgehängt sind und die Brennerpumpe nur noch aus den anderen Tanks saugen kann. So wird der Füllstandsausgleich unterbunden und einzelne Tanks deutlich schneller geleert als andere. Werden unterschiedliche Füllstände vom Tankwagenfahrer beim Vorab-Test nicht erkannt, geschieht es häufig, dass die Anlage überfüllt wird, obwohl der Grenzwertgeber, der – in Füllrichtung gesehen – im ersten Tank eingebaut ist, noch lange nicht ansprechen kann.

Batterietankanlagen aus Kunststoff besitzen heute obere Verbindungsleitungen auch bei der Füllleitung. Damit sich die einzelnen Tanks gleichmäßig füllen, sind deren Füllöffnungen so konstruiert, dass in der gemeinsamen Füllleitung ein konstanter Druck herrscht. Dies wird durch eine Querschnittverengung unter oder im T-Stück zu jedem Einzeltank erreicht, mittels Lochblende oder geformtem Düsenstück. Unabhängig von Fülldruck und geschwindigkeit füllt sich immer der erste Tank zuerst. Daher wird der Grenzwertgeber immer in diesen eingebaut. Vor einer Bauartzulassung werden beim Hersteller Füllversuche in jeder möglichen Aufstellvariante durchgeführt. Die werden von der entsprechenden Prüfstelle – in diesem Fall der TÜV Nord – fachkundig begleitet und sachverständig dokumentiert. Das Gutachten ist Grundlage für die spätere Zulassung.

Quelle: "Brennstoffspiegel und Mineralölrundschau, 5/2012“

 

http://www.brennstoffspiegel.de/technik.html?newsid=12070&title=%26%238222%3BDer+hat+ja+viel+zu+schnell+gef%FCllt%21%26%238220%3B&start=0